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Bürokratie - alltäglicher Wahnsinn

Schwäbisch Gmünd. Wenn es für die Unternehmer Annette, Ronald und Christian Assfalg ein Reizwort gibt, dann das: Bürokratie. Lange bevor eine Maschine oder ein Spe­zialmagnet ihre Firma verlässt, be­ginnt der Papierkrieg. „Es ist un­glaublich, wie viele Unterlagen man zum Beispiel für den Zoll braucht – selbst innerhalb der EU“, sagt Ro­nald Assfalg seufzend.
Der Betrieb hat 20 Mitarbeiter. Keine Rechtsabteilung. Keinen Zoll­experten. „Wir machen alles selbst“, erklärt Annette Assfalg, „da schlägt bürokratischer Aufwand besonders ins Gewicht.“
Das in Schwäbisch Gmünd (Baden­ Württemberg) ansässige Familienunternehmen, gegründet 1932, ist Spezialist zum Beispiel für Magnet­, Kantenfräs-­ und Entgrattechnik. Assfalg lässt Maschinen und Spezialmagnete in Baden­ Württemberg und in Indien produzieren, Kunden sind einfache Schlosser genauso wie große Automobilhersteller. Wie viel unproduktive bürokratische Arbeiten die kleine Firma wohl kosten?
Die gesamte deutsche Wirtschaft jedenfalls muss allein dieses Jahr zur Erfüllung der „Informations­pflichten des Bundesrechts“ rund 43 Milliarden Euro ausgeben! Das teilte das Statistische Bundesamt auf AKTIV­-Anfrage mit. Die Regierung hat das teure Problem erkannt: Im Sommer ist ein Bürokratieentlastungsgesetz beschlossen worden – und dazu eine „Bürokratiebremse“: Belastungen durch neue Regelungen sol­len durch Entlastungen woan­ders ausgeglichen werden.
Der schon im Jahr 2012 ein­geführte amtliche Bürokratiekostenindex ist seitdem nur von 100 auf 99 Prozent gesunken. Mehr wäre besser: Laut einer repräsen­tativen Studie des Forschungsinstituts TNS Emnid im Auftrag des Software-­Unternehmens Sage stufen 92 Prozent der Mittelständ­ler den bürokratischen Aufwand als „hoch“ oder „sehr hoch“ ein. 44 Prozent beklagen vor allem den hohen Zeitaufwand und verlang­samte Abläufe.
Genau wie Ronald Assfalg. Er versteht zum Beispiel nicht, warum er eine gebrauchte CNC­-Mehrachsenmaschine noch nicht auf die Reise nach Indien schicken durfte. Verpackt steht sie da und wartet. „Der Kunde hat längst seine Halle leer geräumt und will endlich da­mit produzieren“, sagt er. Aber das Bundesamt für Wirtschaft und Aus­fuhrkontrolle muss die Sache erst noch begutachten – damit Metall­bearbeitungsmaschinen nicht in auswärtiger Rüstungsindustrie lan­den. Das findet Assfalg auch durch­aus sinnvoll, das Prozedere aber hält er für zu kompliziert. Die Be­hörde hatte die Wartezeit auf zwei Wochen veranschlagt – inzwischen sind es schon vier. Als Unterneh­men brauche man da vor allem mehr Verlässlichkeit, betont der Firmenchef.
Zu den größten Treibern der Verwaltungskosten zählte übri­gens zuletzt der Mindestlohn, er al­lein verursacht 10 Milliarden Euro zusätzliche Bürokratiekosten pro Jahr. Aber auch viele staatliche Vorgaben, die nicht für Schlagzei­len sorgen und einzeln betrachtet harmlos sind, machen den Betrie­ben in der Summe zu viel Arbeit.
Dazu kommen für etliche Fir­men Belastungen aus dem Ausland: „Allein für Bedienungsanleitungen gibt es fast jeden Monat eine neue Verordnung“, klagt Ronald Assfalg. Sohn Christian, der im Betrieb die vierte Generation vertritt, kämpft derweil mit Verwaltungsaufwand, den eine Zertifizierung des Quali­tätsmanagements mit sich bringt. Annette Assfalg wiederum bringt vor allem das Beantragen von Visa auf die Palme.
Nach Indien fliegt die Familie oft, weil sie dort Spezialmagnete produzieren lässt. Aber: „Ein Vi­sum bekommt man immer nur für ein Jahr“, sagt die Unternehmerin. „Dann startet der Papierkrieg von vorne. Man muss zum Beispiel ein Einladungsschreiben auf Englisch einreichen.“ Und ihr Mann müsse zudem jedes Mal unterschreiben, dass er sich selbst entsendet …

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